Der Heimatbote, Sonntagsbeilage für "Die Harke" 29.01.2000

"De grote Block" hat alle Wirrnisse überstanden
Geschichtsträchtiges landwirtschaftliches Anwesen in Schessinghausen befindet sich mit unverändertem Namen schon seit rund 500 Jahren im Familienbesitz

Hofhund „Benny" liegt wie gemalt vor dem Niedersachsenhaus
Hofhund „Benny" liegt wie gemalt vor dem Niedersachsenhaus;
aber auch das Fachwerkgebäude selbst ist ein willkommenes
Fotomotiv: Hof Block Nr. 1 in Schessinghausen

Foto: Heckmann

Hatte „Der Heimatbote" vor einer Woche über das sogenannte Säulenhaus in Münchehagen berichtet, so sei heute auf ein Gebäude hingewiesen, das zwar vergleichsweise „versteckt" unter alten Eichen etwas abseits der Straße steht, dafür aber eine noch weiter zurück weisende Geschichte aufweist. Die Rede ist vom Hof Block in Schessinghausen; und zwar vom Block ohne Namenszusätze. Ein Umstand, der die Überzeugung stärkt, dass dies der Stammhof aller Block-Namensträger ist. Ein Blick sowohl in die Haus- als auch in die Dorfgeschichte zeigt, dass auf diesem Hof noch nie der Name gewechselt hat.

Herausragende Stellung

Besagter Blick führt wahrlich weit zurück: Um das Jahr 1550 lebte Albert beziehungsweise Albrecht Block. Der Name erscheint urkundlich im Zusammenhang mit der Übernahme einer Wiese bei der „Bibbenkuhle". Im Jahr darauf gehört A. Block zu den Zeugen einer Grenzbegehung des Amtes Wölpe.

Seine herausragende Stellung lässt nach Meinung von Heimatgeschichtsforschern den Schluss, zu, dass der Hof aus der „Curia" hervorgegangen ist, die im 13. Jahrhundert dem Kloster Loccum als Oberherrn zugeordnet worden war. 1841 löste Schessinghausen gemeinsam mit Groß-Varlingen den Korn-Zehnten ab, der ursprünglich Zehnt des Klosters gewesen war. Aus den Curien erwuchsen in manchen Orten Adelshöfe, in anderen entstanden „Erste Höfe" im Dorf.

„Den Kopf entzweygeschlagen"

Albert oder Albrecht Block erscheint erstmals 1567 in einer Urkunde, als er "einen ortt an sine Wisch bi dem Katzbarbe belegen" als privaten Hofbesitz erhält; herausgeschnitten aus der „Gemeinheit", der als Gemeinbesitz geltenden Almende. Im gleichen Sinn hat er „den halven Volenstall tho einer Wisch begraven" (mit einem Graben umzogen).

Einige Jahre später endet das Leben dieses tüchtigen Bauern abrupt. Unweit von Schessinghausen, dem an „de middelste Meerbeeke" gelegenen Grenzdorf gegen die Grafschaft Hoya, beginnt der „Streitbruch"; über Jahrhunderte Ort brutal ausgetragener Auseinandersetzungen um Viehweide, Plaggenhauen, Holznutzung und ähnlichem mehr mit den Dörfern Estorf, Landesbergen und anderen.

Nicht selten gab es dabei Tote. Beispielsweise ist Gerke Engelbart „dermaßen unbarmherzig zerbleuet worden, daß ihm das Gehirn aus dem Haupt geflossen". Und auch Albert Block starb im Streitbruch. Ihn „haben die Estorfer, wie er nach Nienburg gehen wollen, de facto überfallen und hart vor seynem Hause auf Braunschweigischem Grund und Boden und auf Kristen freyen Straße überfallen und mit einer Büchse den Kopf entzweygeschlagen."

1585 tritt Cordt Block, 26 Jahre alt, in der hannoverschen Neustadt zur Huldigung gegenüber Herzog Julius an; bewaffnet mit einem „Rohr" und aufgeführt als Erster der „Ackerleute". Sein Vetter Gerke Block von Nr. 12 verfügt nicht über ein Gewehr, sondern trägt lediglich den Knebelspieß.

Abermals als Erster aufgeführt ist Cordt Block zwei Jahre später in einem Register derer, die berechtigt sind, im Grinderwald Schweine zu weiden. Er durfte 31 Borstenviecher zur Mast in den Wald treiben; die größte Zahl aus Schessinghausen. Freilich führte er auch die Zins-Liste für Ländereien und Vieh an - mit einem Betrag von 79 Groschen. Keine unerhebliche Besteuerung, wenn man bedenkt, dass dies zweit Thaler und sieben Groschen ausmachte - als der Wert eines Schweines oder eines Kalbes mit einem Thaler bemessen war.

30 Jahre Krieg

Zu Beginn des 30-jährigen Kriegs, 1619, gehören drei Himtsaat Erbland, 18 Himtsaat Zinsland, ferner Wiesen zu zwölf Fuder Heu, 16 Kopf Rindvieh und 15 Schweine beim Hause zum Hof; Pferde und Schafe nicht mitgezählt.

Der Krieg wütet fürchterlich im Amt Wölpe. 1628 weist ein Register aus, dass von ehedem 513 Stellen die Bauern und Bürger tot, 169 Höfe verlassen, 152 weitere abgebrannt sind. Am schlimmsten hatte es Linsburg getroffen, wo nur noch zwei von 20 Bauern leben. Und: In sämtlichen 24 Ortschaften des Amtes befinden sich lediglich noch 110 Pferde, 219 Kühe, 16 Schweine und 79 Schafe; letztere allein in Husum, Schessinghausen und Groß- Varlingen.

Die beiden letztgenannten, abseits der Heerstraßen gelegenen Orte mit ihren verstreut unter hohen Eichen stehenden Höfen waren meist verschont geblieben. Doch während auf Hof Block inzwischen Dietrich das Sagen hat - er ist seit 1625 verheiratet -, liegen acht andere Höfe wüst, wurden von ihren Bewohnern verlassen. 1636 zählt das Dorf 15 Höfe, 1649 sind es 17 Anwesen.

Landesweite Feuerversicherung

1772 legt der Amtmann zu Wölpe, Johann Christian Niemeyer (Inhaber des Schlosses Brokeloh), ein neues Höfeverzeichnis an, in dem auch jene Hausnummern angegeben sind, die in der Reihenfolge mit der Landschaftlichen Brandkasse, der ersten obligatorischen Feuerversicherung, im Zusammenhang stehen. Schessinghausen, Groß-Varlingen und Finkahlenheide bilden dabei eine Bauerschaft, eine Verwaltungseinheit mit Bauermeister („Bürgermeister").

Die Zahl der Höfe ist 1689 auf 21 Höfe mit 153 Menschen angewachsen. Vollmeier Cord Block (61 Jahre alt) bewirtschaftet mit Frau und sechs Kindern acht Morgen Land und 20 Morgen Wiese. Ein Knecht, ein Dienstjunge, ein Schäfer und zwei Mägde hinzugerechnet, sitzen 13 Personen am Tisch.

Als 1776 in den Bauerschaften des Amtes Wölpe die Umstellung von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft erfolgt, weist ein Register für Hof Nr. 1 in Schessinghausen den Vollmeier Johann Hinrich Block aus. Und noch immer sind nicht alle Spuren des verheerenden Krieges beseitigt: 1784 erhalten der Bürgermeister und acht weitere Bauern des Dorfes vom Amt Wölpe die Genehmigung, den damals verlassenen „olen Hoff" in Schessinghausen unter sich aufzuteilen.

Seit dem haben noch weitere Kriege das Land und seine Menschen mit Not und Pein überzogen. „De grote Block" unter den Eichen in Schessinghausen aber hat seit Jahrhunderten alle Wirrnisse überdauert.

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