21.01.1985
„Pflegeleichte" Galloways bei Bauer Block
Kälte- und schneeresistente
schottische Hochlandrinder in Schessinghausen / Zunächst als Zuchttiere
![]() Ein dichtes und langes Haarkleid samt Unterwolle lassen diese Galloways bei Bauer Block in Schessinghausen nicht frieren. Bis minus 20 Grad halten es die kälteresistenten und pflegeleichten schottischen Rinder draußen aus und fühlen sich offensichtlich wohl. |
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Foto: Wolter |
H u s u m (fw). Ein Auto, das mit Wasser läuft, ein lebendiger Rasenmäher, einem Wisent nachgeschlagen, pflegeleicht und
knuddelig - wenn sie einen 'ranlassen - und das tun sie meist nicht: Galloways, schottische Hochlandrinder, die in ihrer Heimat oft monatelang ohne menschliches Dazutun leben, haben bei Bauer Fritz Block in Schessinghausen und damit erstmalig für die Kreise Nienburg, Diepholz und Hannover Einzug gehalten.
„Ich mochte sie leiden, als ich sie zum erstenmal auf der DLG-Ausstellung in Frankfurt gesehen habe." Für Bauer Fritz Block aus Schesssinghausen wie für viele Besucher war es sozusagen die Liebe auf den ersten Blick, was die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft als bundesdeutsches Novum vorführte. Frisch vom Fleck weg aus schottischen Hochlanden als der Heimat der halbwilden Strubbelrinder importiert, setzten vor rund zehn Jahren die hornlosen Breitfüßler ihre harten Hufe nach Hessen.
Fünf Jahre später fanden sie den Weg in Deutschlands Norden, doch erst jetzt den Weg ins heimische wie nachbarliche Kreisgebiet. Fritz Block, Bauer in Schessinghausen, betreibt Bullenmast in der Größenordnung von 300 Tieren, dazu Mais-, Getreide- und Zuckerrübenanbau. Ihn reizte der Versuch, eigene Erfahrungen mit den Galloways zu machen. Alles, was dazu nötig ist, ist eine Wiesen- und Weidefläche, die bei ihm gleich hinter dem Haus vorhanden ist.
Die findet sich gleichermaßen bei allen Gehöften, aber auch dort, wo bisher keine Landwirtschaft betrieben wird. Das bedeutet, daß sich viele diese Tiere halten könnten, sei es zur Zucht, wie bei Bauer Block, zur Fleischverwertung, auf jeden Fall zum privaten Landschaftsschutz, denn Galloways halten die Flächen per Nahrungsaufnahme kahl. Sie sind auch nicht so Etepetete wie Pferde, die auf ihrer Koppel Grasflächen mit Duftnote meiden. Jetzt im Winter schützen ein dichtes und langes Haarkleid sowie Unterwolle die Tiere bis minus 20 Grad, ihren Durst stillen sie mit Schnee, die Nahrung scharren sie darunter hervor, bekommen allerdings zusätzlich Heu und Schrot.
Als Lebensraum genügt die Weidefläche, in der Nacht ziehen sich die Schottenrinder unter Bäume und Gebüsch zurück. Sie bringen auch draußen ihren Nachwuchs zur Welt, wenn ihnen bei der momentanen Witterung Bauer Block auch dazu ein Plätzchen im Stall herrichten würde. Daß das problemlos geht, beweist das fünf Wochen alte Kalb, das sich in seinem Winterpelz offensichtlich wohlfühlt. Neun Monate lang bekommt es Muttermilch, ansonsten das Gleiche, wie die anderen auch. Gemolken werden die Galloways übrigens nicht.
Mangels Masse ist zunächst nur die Zucht und nicht die Fleischverwertung aktuell. Der Geschmack der nach drei Jahren schlachtreifen Tiere soll etwas wildartig sein, das Fleisch fettdurchzogen und marmoriert. Da die Nahrung kein Kraftfutter enthält, gibt es keine Verfettung; doch sollten sie gut im Futter stehen. „Das Fleisch wird es nicht im Supermarkt geben", ist die Prognose von Bauer Fritz Block, „denn es wird nicht ganz billig sein, ähnlich wie Wildbret."
Das wiederum ist der bislang noch relativ hohe Preis für das Rind aus Schottland. Durch Frachtkosten, Zoll und andere Formalien ist es rund doppelt so teuer wie das schwarzbunte heimische. Auch dürfen die Tiere nicht unbegrenzt ausgeführt werden. Voraussetzung ist, daß der örtliche Betrieb völlig leukosefrei ist. Da es sich erst erweisen muß, ob das Rind trotz seiner Genügsamkeit wirtschaftlichen Gewinn abwirft, ist die Resonanz unter diesem Aspekt noch verhalten, gerade gegenüber dem übersättigten EG-Markt mit seinen Sonderangeboten.
Auf alle Fälle besteht Interesse an der für hiesige Verhältnisse neuen Rasse. Interessenverbände treffen sich zu Stammtischrunden, und dabei, so weiß Bauer Block zu-; berichten, sind die Landwirte nur zum geringsten Teil vertreten. Daneben gibt es auch solche Leute, denen der Gewinn gleichgültig sein kann; für sie ist es zum bezahlbar teuren Hobby geworden, Galloways zu halten.
Die Zukunft der Schottenrinder in Sachen natürlichen Landschaftsschutzes kann zu einem lohnenden Versuch werden, einem ausbaufähigen Hobby, gleichsam wie Bauer Block nach seiner Alltagsarbeit erzählt: „Ich mache jetzt noch meine Wildfütterung hinter dem Hause."
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Ein dichtes und langes Haarkleid samt Unterwolle lassen diese Galloways bei
Bauer Block in Schessinghausen nicht frieren. Bis minus 20 Grad halten es die
kälteresistenten und pflegeleichten schottischen Rinder draußen aus und fühlen
sich offensichtlich wohl. Foto: Wolter